Mit dem «Tram Affoltern» kommt in Zürich am 14. Juni eine äusserst kontroverse Vorlage an die Urne. Ganz nach dem Motto «ein Tram ist immer gut» sollen mehr als 680 wertvolle Bäume gefällt werden und einer Hochleistungsstrasse für den Autoverkehr weichen. Dabei könnte man das Tram auch problemlos ohne Strassenverbreiterung und mit Erhalt der Bäume fahren lassen. Die Autos könnten sich hinter dem Tram einreihen, und mit Kaphaltestellen kann sichergestellt werden, dass der ÖV immer freie Fahrt geniesst. Das wäre eine zeitgemässe Verkehrsplanung im Sinne der Stadtklima-Beschlüsse. Das vorgelegte Projekt ist hingegen abzulehnen.
Gegen ein Tram nach Affoltern ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber das vorgelegte Projekt ist eine regelrechte Mogelpackung. Unter dem Deckmantel des Trams sollen über 680 Bäume gefällt und einer Hochleistungsstrasse geopfert werden. Das Projekt steht weder im Einklang mit dem Netto-Null Ziel noch mit den Stadtklima-Beschlüssen und muss deshalb unbedingt abgelehnt werden.
Bäume und Grünflächen für Hochleistungsstrasse opfern? NEIN
Mit den Stadtklima-Beschlüssen hat das Stimmvolk der Stadt den Auftrag gegeben, Strassenfläche in Grünflächen mit Bäumen umzuwandeln. Mit dem Projekt «Tram Affoltern» soll nun das pure Gegenteil geschehen. Anstatt das Tram auf der bestehenden, bereits sehr breiten Strasse auszubauen, soll die Wehntalerstrasse um fast 7 Meter verbreitert werden. Dafür sollen über 680 Bäume und mit den Vorgärten viel Grünfläche geopfert werden.
Noch mehr Autoverkehr durch Affoltern? NEIN
Dabei wäre es die Gelegenheit, um die stark belastete Strasse endlich vom lästigen Autoverkehr zu befreien. Die Autos könnten künftig auf der gleichen Spur wie das Tram verkehren und mit intelligenter Lichtsignalsteuerung und Kaphaltestellen kann sichergestellt werden, dass der ÖV stehts Vorfahrt hat. Das würde einer zeitgemässen Verkehrsplanung entsprechen und wäre im Einklang mit anderen städtischen Zielen. Durch die Eröffnung des neuen Gubrist-Tunnels könnte zudem eine Kapazitätsreduktion auf der Wehntalerstrasse legitimiert werden, ohne dass der Kanton auf dem «Anti-Stau-Artikel» herumreiten kann.
Volksentscheide ignorieren? NEIN
Dass stattdessen die Hochleistungsstrasse zementiert werden soll, ist nur schon aus verkehrspolitischen Überlegungen inakzeptabel. Hinzu kommt noch, dass die Strassenverbreiterung auf Kosten von 682 Bäumen und viel Grünfläche erfolgen soll. Da es sich um grosse Bäume mit schönen Kronen handelt, ist deren Bedeutung für die Hitzeminderung besonders relevant. Umso erstaunlicher ist es, dass dieses Projekt der Stimmbevölkerung überhaupt vorgelegt wurde. Die Stadt Zürich verfügt über Ziele zur Erhöhung des Baumkronenvolumens auf Stadtgebiet sowie über eine Fachplanung Hitzeminderung – allerdings hapert es bei der Umsetzung gewaltig. Beim Baumkronenvolumen wurde sogar konsterniert festgestellt, dass dieses ab- statt zugenommen hat. Kein Wunder, wenn ohne mit der Wimper zu zucken eine Baumfällaktion dieser Dimension zugestimmt wird.
Netto-Null Ziel verfehlen? NEIN
umverkehR kann dieser Vorlage trotz aller Sympathien für einen Tramausbau aus diesen Gründen nicht zustimmen. Vielmehr sind wir konsterniert über den Umgang mit Volksentscheiden, wie den Stadtklima-Beschlüssen oder dem Netto-Null Ziel. Wir empfehlen ein NEIN zum Tram Affoltern, um ein Tram-Projekt ohne Ausbau von Hochleistungsstrassen und Kahlschlag bei Bäumen und Grünflächen zu ermöglichen.
